Meisterklasse Neo Rauch - Der ehemalige Norden - Ausstellung im Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, Mandy Kunze

 

 

Presseinformationen zur Ausstellung

Meisterklasse Neo Rauch - Der ehemalige Norden

Stefan Guggisberg, David O´Kane, Sebastian Burger, Carolin Knoth, Robert Seidel, Kristina Schuldt, Mandy Kunze

Der Kunstverein Wilhelmshöhe freut sich, mit der kommenden Ausstellung Werke von sieben jungen Künstlerinnnen und Künstlern aus der Leipziger Meisterklasse von Neo Rauch zu präsentieren. Mit dieser Ausstellung setzt der Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen seine Tradition fort, jährlich eine Klasse einer deutschen Kunsthochschule mit einer Ausstellung vorzustellen. In diesem Jahr hat der bekannte Maler Neo Rauch seine sieben aktuellen Meisterschüler ausgewählt, deren neueste Werke ab dem 19. November in den Räumen des Kunstvereins gezeigt werden.

Mit Stefan Guggisberg, David O´Kane, Sebastian Burger, Carolin Knoth, Robert Seidel, Kristina Schuldt und Mandy Kunze bringt die Ausstellung eine Gruppe internationaler Positionen zusammen, deren Gemeinsamkeit nicht nur darin liegt, die Leipziger Hochschule für Kunst und Grafik abgeschlossen zu haben. Alle Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit dem zweidimensionalen Medium der Malerei und der Zeichnung und orientieren sich an einer figurativen Tradition, die den großen Bekanntheitsgrad der Leipziger Malerei seit vielen Jahren ausmacht. In ihren Darstellungen bleiben sie zurückhaltend und vermeiden die große Geste. Die Gemälde und Papierarbeiten sind von surrealistischen, fragmentarischen und gelegentlich absurden Erzählungen geprägt, die jeweils mehrdimensionale Bildräume oder unregelmäßige Größenverhältnisse aufzeigen. Der Betrachter sieht sich jeweils mit verschiedenen Figuren konfrontiert, die in den Werken narrative Elemente mit geheimnisvollen Sujets verbinden.

Der Einfluss ihres Lehrmeisters bleibt in vielen Werken unverkennbar, und dennoch sind alle Arbeiten der Meisterschüler von Neo Rauch durch Alleinstellungsmerkmale in den Stilen der sieben Künstler zu unterscheiden. Es ist der Lehre von Neo Rauch hoch anzurechnen, seinen Meisterschülern zwar Vorbild zu sein, ihnen jedoch individuellen Ausdruck und Furchtlosigkeit vor der Figuration zuzugestehen. Das Label der "Neuen Leipziger Schule" birgt genügend Hürden, über die sich die jungen Absolventen der Hochschule für Buchkunst und Grafik in Leipzig noch hinwegsetzen müssen.
Ihre Werke zeigen dennoch keine Abkehr von dieser "Schule" - sie sind vielmehr als selbstbewusste Fortsetzung einer figürlichen, erzählerischen Form der Malerei zu sehen, die für die meisten Künstler sicherlich auch Grund war, ihre Lehrjahre in Leipzig zu vollenden.

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Die Künstlerin Mandy Kunze (* 1978, Burgstädt) nähert sich in ihren Werken einer "pittura metafisica", wie sie aus dem Werk von Giorgio de Chirigo bekannt ist. Ihre Bilder enthalten sich jedoch jeder pittoresken Farbigkeit und sind in einfachen Grisaillientönen gehalten, zwischen denen jedoch gelegentlich farbige Einsprengsel auftauchen. In ihren extrem kontrastreichen Gemälden zeigt Mandy Kunze offene Architekturen und gewährt vielfach verschobene Durchblicke in den Hintergrund. Menschliche Gestalten sitzen sich in ihren Bildern gegenüber und erwecken den Eindruck von Kommunikation, deren Gegenstand aber unformuliert bleibt. Die starken perspektivischen Konstruktionen gewähren den Bildern von Mandy Kunze eine großzügige Raumentfaltung. Hinweise auf Urbanität, Stromleitungen und moderne Haushaltaccessoires verleihend en unheimlichen Bildräumen häusliche und bekannte Orientierungspunkte. Die kühle Farbigkeit in ihren Gemälden bricht Kunze dort auf, wo Mensch und Tier in Aktion treten. Mit kraftvollem Duktus und in gemischten Rottönen setzt sie beispielsweise einen Stierkampf in Szene, der Assoziationen an die blutigen Tierhatzen in Spanien weckt.

Text: Sebastian Baden - Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen

 

 

  

Katalog zur Ausstellung:
"Der ehemalige Norden/The former North"
Text von Clemens Meyer
Salon Verlag Köln, ISBN: 978-3-89770-381-0

Kurzbeschreibung:
Zwei Beiboote der „Fram“ sind verschwunden, nur das Dritte schwankt noch an seinen Halterungsstreben neben der Reling, schlägt gegen das Tauwerk, die Plane, die es bedeckt, flattert losgerissen im Wind wie ein großer Flügel dieser... „Teke-lee-lie!“, „Teke-lee-lie!“; ich weiß nicht, ob der Sturm für nautische Verhältnisse normal ist, weiß nicht, welche Geheimnisse uns erwarten, frage mich, ob Teile der Besatzung möglicherweise mit den fehlenden Beibooten von Bord gegangen sind, und finde dann endlich, unter Deck, in der Kabine des Kapitäns, eine Liste mit Namen: Sebastian Burger, Carolin Knoth, David O’Kane, Kristina Schuldt, Mandy Kunze, Stefan Guggisberg, Robert Seidel. (aus Clemens Meyer: Wo begann es?)

 

 

Internet:
Archiv Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen (2010)