One Fish Two Fish Red Fish Blue Fish - Ausstellung von Mandy Kunze und Franziska Güttler in der Salve Art Gallery Leipzig

 

Presseinformationen zur Ausstellung

One Fish Two Fish Red Fish Blue Fish
Mandy Kunze / Franziska Güttler

Eröffnungsansprache von Sara Tröster Klemm

Guten Abend meine sehr verehrten Damen und Herren!

Ich freue mich, Sie heute hier begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Sara Tröster Klemm, ich habe in Berlin und Paris Kunstgeschichte studiert und promoviere derzeit an der TU Dresden zu zeitgenössischer gegenständlicher Malerei. Mandy Kunze und Franziska Güttler sind zwei äußerst talentierte, aufstrebende junge Künstlerinnen, und die Galeristinnen, Ines Keerl und Karin Krzenck-Lichtenstein haben hier eine fantastische Ausstellung organisiert. Dafür gebührt ihnen ein kleiner Applaus!

Manche von Ihnen werden sich wohl fragen, was für einen Hintergrund der Ausstellungstitel hat. Mandy Kunze ließ sich dazu inspirieren, als sie bei einem mehrwöchigen Aufenthalt in New York auf ein Kinderbuch von Dr. Seuss gestoßen ist, in dem es auf spielerische und humorvolle Weise um Zahlen, Farben und Prozesse geht. Dinge, die auch in den Bildern von Kunze und Güttler eine Rolle spielen. Zudem gibt es inhaltliche und formale Bezüge u.a. zu Kunzes Bild Auwald.

Im Folgenden will ich Ihnen kurz etwas zu den beiden Künstlerinnen erzählen - keine Sorge, das wird kein abendfüllender Vortrag! Franziska Güttler hat in Leipzig und Dresden u.a. bei dem sehr renommierten Ralf Kerbach Malerei studiert. Güttlers Bilder gewinnen ihre Kraft durch sanft fließende Konturen, weiche Formen und dynamische Übergänge zwischen Bildraum und Bildgegenstand. Das Spiel zwischen Gegenstand und der Fläche der Leinwand sind spezifische Möglichkeiten des Mediums Malerei, für die Franziska Güttler sich besonders interessiert. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie eindeutig gegenständlich malt, andererseits die Flachheit des Malgrunds offensiv zeigt, indem der Hintergrund einfach als Farbfläche gezeigt wird. Damit gelangen abstrakte Elemente in ihre Bilder, die für eine ordentliche Portion Spannung sorgt. Daneben speisen sich ihre Bildwelten aus Märchen und Mythologie - mystische, geheimnisvolle Elemente mischen sich bei ihr mit alltäglichen Dingen. Wolf und Eule sind nicht einfach nur Tiere - es sind symbolisch und historisch stark aufgeladene Objekte. Mit welchen Personen und Figuren kann beispielsweise der Wolf assoziiert werden? Mit Rotkäppchen, Romulus und Remus kommen einem gleichzeitig aber auch widersprüchliche Charaktereigenschaften in den Sinn, wie Arglist und Schutz, Geborgenheit und Bosheit. Gut und Böse werden in ein und demselben Tier historisch verankert. Denn während das kleine Mädchen vom Wolf überlistet wird, gelangen die römischen Zwillinge in den Schutz einer Wölfin. Mit derart starken Inhalten aufgeladen, bekommen Güttlers Bilder etwas Hintergründiges, nicht auslotbare Tiefen, surrealistische Untiefen.

Mandy Kunze, eine Meisterschülerin von Neo Rauch hier in Leipzig, unterscheidet sich auf vielfältige Weise von den sanft unheimlichen Bildern von Franziska Güttler. Mit Bildelementen wie Strohballen in der Mittagshitze, menschenleeren Innenräumen und tobenden Stieren in sich chaotisierend auflösender Umgebung orientiert sie sich in ihren Themen zweifellos an großen Meistern der klassischen Moderne, Monet, Van Gogh, Picasso - das ist offensichtlich, wenn man sich ihre Interieurs und Landschaften anschaut. Ich betone dabei ganz bewusst das Wort Themen, denn sie ist weit davon entfernt, bei den genannten Namen abzukupfern. Im Gegenteil hat sie eine ganz eigene, unverwechselbare Bildsprache entwickelt, die sich am meisten in ihrem charakteristischen Pinselduktus zeigt. Sie setzt einzelne Striche, einzelne Farben extrem kontrastierend nebeneinander. Die Pinselstriche stehen bei ihr ganz für sich selbst, einzeln, sie sind stark und selbstbewusst, geradezu unabhängig, als führten sie ein Eigenleben - und müssen doch im Bildganzen funktionieren. Dies führt zu einer intensiven Spannung in ihren Bildern. Sie wirken einerseits rau, sperrig, perspektivisch sogstark und andererseits motivisch harmonisch.

Die Kunst von Mandy Kunze besticht zusätzlich durch eine besondere technische Versiertheit, die sich in der Verwendung von Öl und Acryl auf Leinwand, Eitempera auf Pappe, Lithographie und Radierung manifestiert. Außerdem realisiert sie, trotz der Unabhängigkeit des einzelnen Pinseltstrichs vom anderen eine teils brutal haptische Qualität - am liebsten würde man die Backsteine in Kristall (im Erdgeschoss) anfassen (darf man nicht !!!) um zu prüfen, ob sie nicht doch echt sind, und zwar ganz ungeachtet der neongrünen Blitzlichter, die zwischen dunklen Flächen und Nebel aufleuchten. Besonders faszinierend an dieser Ausstellung hier finde ich es zu sehen, wie gerade die kleinsten Werke in einen lebhaften, angeregten Dialog miteinander und mit den größeren Arbeiten treten, Wechselwirkungen erzeugen, ja fordern. Es ist beeindruckend, wie Mandy Kunze einerseits Monumentalformate wie Bergman meistert, als auch Miniaturen im Kachelformat.

Die hier gezeigten Bilder von Franziska Güttler erreichen eine nicht ganz so große Spannbreite, das Phänomen ist aber auch hier zu beobachten. Wechselwirkungen entstehen aber auch zwischen den Bildern von Güttler und Kunze. In deren bereits erwähntem Bild Auwald ist ganz klein im Hintergrund ein Graureiher zu sehen, der gerade einen Fisch (one fish) aus dem Wasser gezogen hat. Es ist eine Miniatur innerhalb eines großen Formates - gleichzeitig korrespondiert die Eule aus Güttler .... farblich und proportional mit Auwald. Clemens Meyer schrieb einmal über Mandy Kunze: "Vergrabt die Worte. Bilder!" Und er hat Recht. Ihre (großen und kleinen) Bilder sind wahrhafte Assoziationsfelder, Denkobjekte, Augenweiden. Und nun schauen Sie selbst, welche Bezüge Sie entdecken können, zwischen den einzelnen Bildern, zwischen den Bilden und dem Titel, zwischen Ihnen und den Bildern ...

Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen viel Freude beim Besuch dieser gelungenen Doppelausstellung!

Text: Sara Tröster Klemm