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Presseinformationen zur Ausstellung

Nil Regie

in der Frankenheim-Boxhalle Düsseldorf

Mandy Kunzes Werdegang, geboren in Sachsen, ausgebildet an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Diplom in Bildender Kunst bei Prof. Neo Rauch, darauffolgend Meisterschülerin bei Neo Rauch, verortet sie eindeutig im Kontext der so genannten Neuen Leipziger Schule. Von da bringt sie mit, was diese Schule auszeichnet und kennzeichnet, solides handwerkliches Können und die Entscheidung für gegenständliche, figurative Malerei. Sie ist an erster Stelle eine präzise Beobachterin ihrer Umwelt. Die Elemente ihrer Bildideen sind aus der von ihr erlebten und skizzierten Wirklichkeit geschöpft, wovon vor allem ihre Zeichnungen zeugen wie auch die von ihr so genannten "Kacheln", Gemälde auf Leinwand im kleinen Format von 10 x 10 cm. Trotz dieser Genauigkeit handelt es sich keinesfalls um den Versuch, unsere Welt im Sinne "alter Meister" naturgetreu und 1:1 abzuspiegeln, wie schon nach kurzer Betrachtung ihrer Bilder klar wird.

Die komplex komponierten, an Anspielungen auf die Kunstgeschichte reichen Szenarien und Situationen, in denen mitunter Innen- und Außenräume wie bei M.C. Escher oder Piranesi ineinander übergehen, konterkarieren das Streben des Betrachters nach Eindeutigkeit und faßbarer Botschaft des Bildes, die er gerne als Bildungsgut nach Hause tragen möchte. Sie bleiben polyvalent und vieldeutig, auch wenn es sicherlich zulässig ist, über biographische Einflüsse und persönliche Bildungs¬geschichte der Schöpferin in ihren Bildern zu spekulieren, etwa wenn sie das Gemälde der Baumwollspinnerei in Leipzig mit "Schutz" betitelt, im Titel "Animus" auf die Jungsche Psychologie anspielt, oder die Filmemacher Bergman und Tarantino zitiert. Oft brechen elementare Kräfte in die Bildräume ein, Wasserströme oder Krähen und Erde in "Wasser" und "Erde", eine Herde galoppierender Stiere in "Hundstage". Vieldeutig sind auch die sozialen Situationen, die Kunze schildert, eine Tischrunde in "Einblick", eine Gruppe von vereinzelten Menschen auf einer Art Bühne in "Antagon". Oft sind die Menschen jedoch mit sich alleine, isoliert wie der "Spieler", sich selbst verbergend-befragend wie eine junge Frau mit Maske und Elsternfeder in "Ableitung". Schauplatz solcher Szenen, in denen die Brüchigkeit der Welt aufscheint, sind oft die Randgebiete der urbanen Zivilisation, Industriegebiete, Vorortstraßen. Tiere sind in ihren Bildern allgegenwärtig, Hunde als Begleiter des Menschen, Eule, Adler, Luchs, Stiere, Pferde als Chiffren für eine weitere "mythische" Realität.

Es sind Bezeichnungen wie surreal, mystischer, mythischer oder magischer Realismus, mit denen versucht wird, diesen Einbruch heterogener Wirklichkeitserfahrungen, die Kunze in ihren Bildkompositionen gestaltet, zu beschreiben. In ihren Bildern beschwört sie eine Vielschichtigkeit, in der die Routinen einer auf zweckrationale Bewältigung des Alltags gerichteten Wahrnehmung aufgebrochen werden. Es sind Bilder, die die Brüchigkeit der Welt, das Periphere und Abweichende ins Spiel bringen und uns helfen, unsere Eindimensionalität zu überwinden und neu sehen und deuten zu lernen.

Text: Jaqueline Specht (Galerie Villa Hühn)